Denn: Ob er Tennis gespielt hat oder nicht, das ist doch völlig egal.
Auch Helmut Schmidt wird während der Sturmflut anno 1962 in Hamburg mal einen Steifen Grog getrunken und zwei oder drei oder hundertzwanzig Menthols geraucht haben, um „den Kopf frei zu bekommen“. In einer Krise auch mal einen Schritt zurückzutreten, das sollte in jedem Krisenhandbuch ganz oben stehen.
Nicht umsonst gab oder gibt es in Armeen den Begriff der „preußischen Nacht“, die einen gesunden Schlaf als Abstand zwischen Anlass und Reaktion definiert. Das kann oft Schlimmeres verhindern.
Also: Eine Aktionspause in einer Krise - die gehört zum entscheidenden Handwerkszeug für eine gelungene Krisenkommunikation. Und das ist in meinen Krisenbegleitungen oft der erste pädagogische Kraftakt gegenüber den Klienten: Mach mal Pause!
Weil das Leben aber bekanntermaßen Ying UND Yang ist, braucht es als Gegengewicht zur preußischen Pause eben auch eine starke und überzeugende preußische Präsenz. Und genau DARAN hat es bei Herrn Wegner gemangelt. Einem starken Leader würde man auch Momente zugestehen, in denen man den Kopf mal frei bekommen muss.
Eine starke Präsenz hat Kai Wegner jedoch zu keiner Sekunde gezeigt. Seine Interviews in den Medien waren eine hektische Stammelei und ein Aneinanderreihen von scheinbaren Leistungslieferunfsbestätigungen. „Ich habe dies gemacht, ich habe das gemacht und ich habe jenes gemacht.“ Merke: Additive Rhetorik schaufelt Dich immer in eine Defensive. Wenn ein Argument nicht überzeugt, dann überzeugen sie auch nicht im Dutzend.
Wer sich die Interviews von Wegner anhört, der wird feststellen: Er redet IMMER nur über sich. Selbst wenn er über die betroffenen Bürgerinnen und Bürger redet, dann betont er, was ER alles für sie getan haben will. Wirkung ist aber eine Haltungsfrage. Also: Die Haltung stimmt bei Wegner nicht.
Es geht auch anders: Als es im vergangenen Jahr rund um das Oktoberfest zu mehreren Turbulenzen kam, da war der München OB Reiter vor Ort und in den sozialen Medien präsent und hat immer MIT den Menschen gesprochen.
Das kann man schon von Napoleon lernen. Napoleon hat sein Heer - das größte, das die Welt bis dahin kannte - mit jedem seiner Worte gelesen und gestärkt. Verständis gezeigt. Ein gutes Gefühl erzeugt. Einen Aktionsraum eröffnet. Eine Zukunft beschrieben. Und den Weg dorthin gewiesen.
Dann darf er auf seinem Ritt von Korsika über die Route Napoleoon quer durch Europa auch mal eine Stunde Tennis spielen oder ein preußisches Nickerchen einlegen.
Also: Freier Kopf PLUS Ledership! So geht Krise!